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Das Mittwochszimmer

DAS MITTWOCHSZIMMER „Wo haben Sie bloß immer die Ideen her?“, dürfte die am häufigsten gestellte Frage nach Lesungen sein. Aber ich jage ja nicht nach Ideen – sie sind überall, viel mehr, als man jemals verwenden könnte. Den Kern zu diesem Roman schenkte mir eine Bekannte beim Nachmittagskaffee. Sie kannte eine Frau, die über mehr als vierzig Jahre einen Geliebten hatte samt gemeinsamem Kind. Er war, aus verschiedenen komplizierten (wirtschaftlichen) Gründen, in dieser Zeit zweimal anderweitig verheiratet und hatte eigene Kinder. Trotzdem trafen die beiden sich an einem bestimmten Tag jede Woche und verreisten manchmal sogar miteinander. Und sie hoffte über diese gesamte Zeit fortgesetzt, er würde sie eines Tages doch mal heiraten. Inzwischen machte sie Karriere in ihrem Job, zog das Kind alleine groß und entwickelte sich weiter, ohne es zu merken. Und so wird sie weiter hoffen, bis einer von beiden stirbt oder die Welt untergeht … Ich machte daraus meine Heldin Conny und dachte darüber nach, wie sie wohl reagieren würde, erfolgreich und weiterentwickelt, wenn der inzwischen leicht gebeugte und etwas angegraute …