Autor: Dagmar Schneider

»Wie viele Männer braucht die Frau?« war meine erste Buchveröffentlichung

Wie viele Männer braucht die Frau?

WIE VIELE MÄNNER BRAUCHT DIE FRAU? Als ich noch ab und zu für die Zeitschrift JOURNAL FÜR DIE FRAU journalistisch tätig war, fragte mich die Redaktion eines Tages, ob ich ein Taschenbuch schreiben würde mit dem vorgegebenen Titel: „Wie viele Männer braucht die Frau?“ Das war kurz, nachdem mein Theaterstück mit dem Titel: „Ein Mann ist kein Mann“ aufgeführt worden war, zu betonen auf den Worten ein und kein. Ich bekam Bedenken, meine Unersättlichkeit in diesem Ausmaß an die große Glocke zu hängen. Also bat ich darum, unter einem anderen Namen veröffentlichen zu dürfen und schrieb das Sachbuch unter ‚Fee Domke‘. Das war einer der vielen Namen, unter denen ich Kurzkrimis und Liebesgeschichten für Zeitschriften verfasst hatte. Also ist „Wie viele Männer braucht die Frau?“ meine erste Buchveröffentlichung. Der Anhang ist immens; ich habe vorsichtshalber jedes halbe Komma aufgelistet, das ich irgendwo entnommen hatte … Ich bin eigentlich nach wie vor stolz darauf, denn abgesehen davon, dass die Tatsachen ein Spürchen veraltet sind, ist es ein ganz gescheites und bestimmt sehr amüsantes Buch über Partnerschaft …

Diese Anthologie enthält eine gekürztes Kapitel aus meinem Buch »Feuervogel«

… denk ich an Hamburg

… DENK ICH AN HAMBURG HAV – das ist die Hamburger Autorenvereinigung. Meine Geschichte in diesem Band heißt ‚Sturmflut‘ und ist eigentlich das zusammengestrichene erste Kapitel des Romans ‚Feuervogel‘. So was macht mir Spaß; es ist ein Spielen mit Worten. Deshalb kann ich prima meine eigenen Texte zusammenkochen oder auseinanderziehen. Selbst zu kürzen macht mir sehr wenig aus. Es bereitet mir allerdings ziemliche Schmerzen, wenn ein Anderer in meinen Texten herumstreicht, womöglich auch noch, ohne vorher mit mir darüber gesprochen zu haben!  

Das Buchcover zu Kleine Leckerbissen: 13 schaurig schöne Geschichten

Kleine Leckerbissen

KLEINE LECKERBISSEN Nochmal 13 Gruselgeschichten. Während in ‚Gute Nachbarschaft‘ nur wenig Blut geflossen ist, trieft es hier aus jeder Seite – ich weiß eigentlich auch nicht, weshalb. Diese Geschichten sind samt und sonders neu, also im Jahr des Erscheinens oder kurz vorher entstanden. Ich persönlich mag dieses zweite Gruselbuch etwas lieber als das erste. Meine Lieblingsgeschichte ist die vom Schwanenkind: ‚Lohengrin‘. Leider bringen Verlage kaum noch Bände mit Kurzgeschichten heraus. Es wird behauptet, die will keiner kaufen. Die Leserinnen verlangten nach Romanen. Ist das so?

Weihnacht

WEIHNACHT Auch in dieser Anthologie ist meine Geschichte keine Geschichte, sondern ein von mir zusammengestrichenes Kapitel aus einem Roman, in diesem Fall ‚Der Winter der Libelle‘. Das ist nicht unüblich. Gerade bekanntere Namen (solche, die auf dem Schutzumschlag angegeben werden), machen sich’s auf diese Art gern leicht. Auszüge aus Romanen haben so was Snobistisch-Etabliertes, als hätte der Künstler nicht genug Zeit für einen Sammelband oder als wäre ihm das zu piefig. Um ganz ehrlich zu sein, finde ich es sehr viel netter, für ein Buch, das gesammelte Geschichten enthalten soll, eine Geschichte zu schreiben. Oder jedenfalls eine schon Geschriebene rauszusuchen, die passt.

Das dunkle Cover verrät schon, um was es geht.

Gute Nachbarschaft

GUTE NACHBARSCHAFT 13 gruselige Geschichten. Einige gab es schon lange, einige hab ich extra für dieses Buch geschrieben, damit die 13 voll wurde. Die älteste ist ‚Großer Bruder‘. Sie entstand, als ich fünfzehn oder sechzehn war. (Inzwischen hatte ich sie natürlich noch mal ein bisschen nachpoliert.) Kaum sehr viel jünger sind ‚Tante Lene‘ und ‚Kleiner Begleiter aus dem Wald.‘ ‚Am Mühlensee‘, die Geschichte vom Wassermann, habe ich vollkommen umgeschrieben. Die Grundidee stammte aus dem Ende der 70er-Jahre. Ursprünglich drehte es sich um eine alleinstehende Mutter mit einer erwachsenen und einer halbwüchsigen Tochter, die Besuch von einem entfernten Verwandten bekommen, einem hübschen jungen Mann, der mit allen dreien flirtet. Er bringt damit die Mutter und die ältere Tochter sehr durcheinander, was die Jüngste missbilligt. Als der Vetter unvorsichtigerweise am See so tut, als sei er der unheimliche Wassermann, schlägt die Kleine ihm mit einem Hammer den Schädel ein – und er versinkt. Hm, eigentlich ist das eine sehr schöne Geschichte, die mit ‚Am Mühlensee‘ nichts mehr zu tun hat. Ich sollte den Stoff noch mal benutzen, …

Meere

MEERE Meine Geschichte in der Anthologie heißt ‚Seefahrt tut weh.‘ Sie ist alt, wenn auch überarbeitet. In meiner zarten Jugend machte ich mal einen fünf Tage dauernden Segelturn auf einer alten Weserjolle mit. Ich konnte damals nicht mal schwimmen. Es war Oktober, nass und stürmisch. Die Crew bestand aus meinem Freund, der zwar einen Segelschein, aber wenig Erfahrung besaß, mir (ohne jede Ahnung von der christlichen oder irgendeiner anderen Art von Seefahrt) und zwei Landratten aus Schwaben. Sie flirtete fortgesetzt mit meinem Freund, der dafür nicht unempfänglich war (zumindest, bis sie sich mitten im Schiff auf seinen Lieblingspullover übergeben musste) und er schleppte einen Riesenpacken Bücher mit sich, die er endlich mal in Ruhe lesen wollte. Wenn mein Freund also irgendwo auf dem Kahn mit überschnappender Stimme nach dem zweiten Mann schrie – er möge sofort dies und das fest halten oder anbinden oder reffen oder so – dann pflegte der gemütvoll zu erwidern: „Ha, glei – will nur halt schnell des Kapitle zuend lese, gell?“ Es war ein totaler Albtraum. Selten haben fünf Tage …

Das Cover meines Kochbuchs Aalsuppe und Mehlbüddel ziert eine Illustration von Marunde.

Aalsuppe und Mehlbüddel

AALSUPPE UND MEHLBÜDDEL Mein Lieblingskochbuch. Es hat sich lange, lange recht gut verkauft. Das liegt natürlich vor allem an den bezaubernden Illustrationen von Marunde. Ich hatte seine Bilder und Karikaturen seit langem bewundert und hab mich dann einfach getraut, ihn anzurufen und zu fragen, ob er Lust hätte, mit mir gemeinsam ein norddeutsches Kochbuch zu machen. Und zu meinem Glück – hatte er Lust dazu.

Das Cover meines Weihnachtsgeschichten-Bandes »Nachtschicht für Engel«

Nachtschicht für Engel

NACHTSCHICHT FÜR ENGEL Nachstehende Rezension erschien im Internet-Portal Kultur-Port: Man muss dem Langen-Müller-Verlag bescheinigen, dass die Ausstattung dieses Buches einfach gelungen ist. Klein und schmal passt es in eine Wintermanteltasche: sehr zweckmäßig, da es sich bestens als Mitbringsel der Adventszeit ‚statt Blumen‘ empfiehlt. Gehalten ist der Titel in den durchaus zum Thema passenden Farben Schneeweiß (der Hintergrund) Weihnachtsmannrot und Himmelblau. Da fährt er, Santa, bequem zurückgelehnt auf seiner Harley, nix mit Rentieren und Schlitten. Das ist zwar die Illustration zu einer der Erzählungen, nämlich der titelgebenden, ‚Nachtschicht für Engel‘, doch es umreißt auch, wie Dagmar Seifert in diesem Buch Zimt- und Pfefferkuchenduft mit Kettenfettgeruch mischt. Im Übrigen handelt es sich in der speziellen Geschichte tatsächlich bei dem Motorradfahrer keineswegs um einen Weihnachtsmann, sondern um einen Altrocker. Aber das tut nichts, die Stilisierung des Graphikers passt sehr gut. Acht Geschichten beinhaltet das Bändchen. Christliche? Bedingt. Jesus taucht auf, wenn auch nur als Krippenfigur, aber bereits dieses Stückchen Holz bewirkt Gutes für eine Familie mit gescheiten und selbstbewussten Kindern, etwas hilfloseren Eltern, dem arroganten Liebhaber der Mutter …

Das Peanuts-Kochbuch war mein erstes Kochbuch überhaupt, aber es sollte nicht mein letztes bleiben. Hier das Cover dazu

Das Peanuts-Kochbuch

DAS PEANUTS-KOCHBUCH Niemand kann über alles lachen. Mit den Comics über den Kater Garfield kann ich beispielsweise nicht viel anfangen.Mit den rundköpfigen Kindern, den „Peanuts“ und dem Hund Snoopy sehr viel. Mein Sohn heißt mit zweitem Namen Linus, nach dem philosophisch veranlagten Kerlchen mit der Schmusedecke. Der Koch- und Sachbuchverlag Mary Hahn gehörte im Jahr 2000 noch zur Familie meines Hausverlags Langen Müller. Als Charles M. Schulz, der Vater der „Peanuts“ , im Februar gestorben war, tauchte der Plan auf, ein Kochbuch mit seinen Comics zu machen. Man fragte mich, ob ich das machen wollte: Amerikanische Küche, natürlich mit vielen Erdnüssen. Mein erstes Kochbuch. Da ich leidenschaftlich gern koche, hatte ich große Lust dazu. New York hatte ich mehrmals besucht und ich besaß auch Freunde und Bekannte, verteilt in den Vereinigten Staaten, die ich um Mithilfe bat. Außerdem bemühte ich mich, zu jedem Rezept den passenden Comic-Strip zu finden. Das Buch verkaufte sich sehr gut; 2007 gab der Kosmos-Verlag, der Mary Hahn übernommen hatte, eine Neuauflage heraus, diesmal nicht in Gelb, sondern in Feuerrot.

Nicht nur das Cover habe ich selbst illustriert, auch der Innenteil enthält zahlreiche Bilder aus meiner Feder

Friedensnacht

FRIEDENSNACHT Der erste Weltkrieg hat mich schon immer fasziniert. 2011 und 2012 recherchierte ich wie verrückt für einen Roman, der im Jahr 1914 anfangen sollte. Die Heldin, Helene oder Lene, ist ein Spürchen älter als das Jahrhundert, bei Kriegsbeginn sechzehn Jahre. Während ihr Vater an der Front ist, erfährt Lene, dass ihre Stiefmutter Gerda mit einem jungen Offizier durchbrennen will. Um das zu verhindern, trifft sie sich selbst am Weihnachtsabend mit dem Mann und erreicht, dass er sich stattdessen mit ihr verlobt. Als sie herausfindet, dass dieser Abend nicht ohne Folgen blieb, ist ihr Verlobter schon gefallen. Obwohl sie sich mit Gerda eigentlich überhaupt nicht versteht, kommen die beiden in diesem Fall zu einer Übereinkunft: Die Stiefmutter gibt Lenes Sohn als ihr eigenes Kind aus. Gegen Ende des ersten Weltkriegs trifft Lene sich in Frankreich (wie sie glaubt, aus romantischen Gründen) mit einem jungen Soldaten, der sie mit einem Schlafmittel betäubt, um in ihren Kleidern und sogar mit ihren abgeschnittenen langen Locken unter dem Hut zu desertieren. Sie erwacht unbekleidet, mit ganz kurzem Haar und zieht, um sich irgendwie …

Der Roman Der Winter der Libelle spielt hauptsächlich im Hamburger Obdachlosen-Milieu

Der Winter der Libelle

DER WINTER DER LIBELLE Eine Hamburger Arztgattin, die ein müßiges, etwas langweiliges Leben führt, gerät plötzlich, hochschwanger und in einem besonders kalten Winter, ins Obdachlosenmilieu. Eine Bekannte erzählte mir, dass eine ‚Dame der Gesellschaft‘ in Köln durch verschiedene Umstände zu den Pennern abgerutscht war und einige Monate lang ‚Platte machte‘, also auf der Straße schlief. Da sie im Prinzip gebildet und außerdem gutaussehend war (zwei nicht zu unterschätzende Faktoren) gelang es ihr, sich da wieder herauszuarbeiten. Ich dachte mir die erschwerenden Umstände eines harten Winters und einer Schwangerschaft dazu, erfand meine verwöhnte Lilly und ließ sie statt in Köln in Hamburg umherirren. Die Recherche erforderte besonders viel Zeit und brachte mich teilweise in engen Kontakt mit der Szene der Stadtstreicher. Dabei beeindruckte mich besonders, wie kameradschaftlich viele von ihnen zusammenhielten. Einen Nachmittag lang verkaufte ich auf der Straße Hinz & Kunzt, das Hamburger Obdachlosenmagazin und ich saß an einem anderen Nachmittag bettelnd auf der Mönckebergstraße. Der Winter der Libelle ist bis jetzt das Buch, mit dem ich selbst am meisten zufrieden bin.

Das Buchcover ziert eine flammendroter Feuervogel

Feuervogel

FEUERVOGEL Die Außenseiterin Merle wird vom verprügelten Kind zur selbstbewussten Restaurantbesitzerin. Ein chaotischer Roman und eine Liebeserklärung an das Vorbild für Butz Voss: meinen Vater. Dem ist das Buch auch gewidmet – leider wurde das im Hardcover versehentlich vergessen und tauchte nur in der Taschenbuchausgabe auf. Und in der Taschenbuchausgabe sind auch die schrecklich falschen italienischen Redewendungen berichtigt, von denen keiner weiß, wie sie entstehen konnten … Die Geschichte ist sehr autobiographisch und ich schrieb mich so in Rage, dass alles urplötzlich auf mehr als 700 Seiten angeschwollen war. Etwa 350 sollten es aber werden … Also kürzte ich an einem verzweifelten Wochenende viele Handlungsstränge und entfernte ganze Personen aus der Geschichte. Das hat ihr nicht unbedingt gut getan und es blieben immer noch fast 500 Seiten übrig. Ich finde sie stilistisch recht unharmonisch. Trotzdem haben mir viele Leserinnen erklärt, gerade der Feuervogel sei ihr Lieblingsbuch! Viele mögen natürlich das Opilein. Und ausgerechnet das ist eine komplette Erfindung. Opilein nimmt gewissermaßen den Platz meiner Mutter ein. Die hätte es nämlich nicht ausgehalten, nochmal lesen zu …