Üm de Eck keken mit Dagmar Seifert

Dagmar Seifert

Üm de Eck keken
Cover: Üm de Eck keken
Mein Mann kann nicht Plattdeutsch sprechen.
Seine Eltern stammen aus Ostpreußen und dem Sauerland und sind vom Krieg nach Schleswig-Holstein gespült worden.

Ich kann schon gar nicht platt sprechen.
Mein Vater war aus Thüringen, meine Mutter aus Berlin, sie flohen am Kriegsende nach Hamburg. Nebenbei war in meinem Elternhaus reinstes Hochdeutsch erwünscht, meine Mutter bekam schon Zustände, wenn ich einen Hauch norddeutsche Klangfarbe hören ließ.

Verstehen können mein Mann und ich das Plattdeutsche durchaus. Deshalb wundert es viele Menschen (nämlich jene, die damit aufgewachsen sind), wieso wir es denn nicht auch einfach sprechen.

Wir haben uns redlich Mühe gegeben. Wir traten in den Plattdeutschen Krink (das heißt Kreis oder Kränzchen) in Esingen ein, was ein Teil von Tornesch ist. Wir kamen treu und brav zu den Treffen und wir taten das Unsere zu allen Festivitäten, sogar auf der Bühne stehen und plattdeutsche Texte sprechen. Das ging, weil wir sie ja auswendig lernen konnten.

Wir nahmen darüber hinaus fast zwei Jahre lang Unterricht bei einem netten Professor in Itzehoe, der glaubte, er würde uns die Sache vermitteln anhand logischer Grammatik. Der Mann konnte einen ausgesprochen anständigen Tee kochen.

Das war alles ganz lustig – wir verstanden Plattdeutsch immer besser, aber wir waren nicht in der Lage, es zu sprechen.
Ich glaube, wenn man mich mehrere Monate lang mit nichts als Platt sprechenden Menschen zusammen sperren würde und ich mich mit ihnen keinesfalls auf Hochdeutsch verständigen könnte – dann würde es klappen.

Meinem Mann fiel auf, wie viele urige Anekdoten im Krink erzählt wurden und er beschloss, sie zu sammeln, zu editieren und herauszugeben. Daraus wurde ‚Üm de Eck keken‘.
Wir schrieben selbst drei Geschichten dafür – auf Hochdeutsch, versteht sich. Unsere Freunde vom Krink übersetzten sie.

Die eine Geschichte, über den Kater Peter, taucht auf Hochdeutsch noch mal in ‚Nachtschicht für Engel‘ auf.

Ich habe meine Plattdeutschen Texte sogar ganz gut vorgelesen.
Lesen kann ich Platt nämlich… ☺