Aalsuppe und Mehlbüddel

Das Cover meines Kochbuchs Aalsuppe und Mehlbüddel ziert eine Illustration von Marunde.

AALSUPPE UND MEHLBÜDDEL

Mein Lieblingskochbuch. Es hat sich lange, lange recht gut verkauft. Das liegt natürlich vor allem an den bezaubernden Illustrationen von Marunde.

Ich hatte seine Bilder und Karikaturen seit langem bewundert und hab mich dann einfach getraut, ihn anzurufen und zu fragen, ob er Lust hätte, mit mir gemeinsam ein norddeutsches Kochbuch zu machen. Und zu meinem Glück – hatte er Lust dazu.

Kleine Leckerbissen

Kleine Gruselgeschichten ist mein zweiter Gruselband.

KLEINE LECKERBISSEN

Nochmal 13 Gruselgeschichten.

Während in ‚Gute Nachbarschaft‘ nur wenig Blut geflossen ist, trieft es hier aus jeder Seite – ich weiß eigentlich auch nicht, weshalb.

Diese Geschichten sind samt und sonders neu, also im Jahr des Erscheinens oder kurz vorher entstanden. Ich persönlich mag dieses zweite Gruselbuch etwas lieber als das erste. Meine Lieblingsgeschichte ist die vom Schwanenkind: ‚Lohengrin‘.

Leider bringen Verlage kaum noch Bände mit Kurzgeschichten heraus. Es wird behauptet, die will keiner kaufen. Die Leserinnen verlangten nach Romanen.

Ist das so?

Der Stern der Elbe

DER STERN DER ELBE

Irgendwie überkam mich plötzlich die Lust, mal eine Familiensaga zu schreiben.

Ich raffte einen kleinen Rest meiner Heldin Lene aus der ‚Friedensnacht‘ zusammen und verpackte sie in eine etwas andere Vita.

Familie Reckwisch besitzt ein Kaffee-Haus, später ein Restaurant namens ‚Stern‘ in Altona. Lene heißt nun Henrietta oder Jetta, ist aber dasselbe kleine Biest, das weiß, was es will. Um sie herum entwickeln sich ihre Geschwister, der ehrgeizige Erich, der schöne, gefährliche Fritz, die freundliche, plumpe Fiti und, am Rande, die Tochter der Haushälterin, die kleine Irma, seit ihrer Kindheit in Erich verliebt …

Der erste Teil beginnt gleich nach dem ersten Weltkrieg und endet im Herbst 1928. Ich möchte aber sehr gerne eine Fortsetzung schreiben, mindestens die nächsten zehn Jahre der Familie. Und von mir aus noch viel mehr. Ich liebe die Reckwischs …

Weihnacht

WEIHNACHT

Auch in dieser Anthologie ist meine Geschichte keine Geschichte, sondern ein von mir zusammengestrichenes Kapitel aus einem Roman, in diesem Fall ‚Der Winter der Libelle‘.

Das ist nicht unüblich.

Gerade bekanntere Namen (solche, die auf dem Schutzumschlag angegeben werden), machen sich’s auf diese Art gern leicht.

Auszüge aus Romanen haben so was Snobistisch-Etabliertes, als hätte der Künstler nicht genug Zeit für einen Sammelband oder als wäre ihm das zu piefig.

Um ganz ehrlich zu sein, finde ich es sehr viel netter, für ein Buch, das gesammelte Geschichten enthalten soll, eine Geschichte zu schreiben.

Oder jedenfalls eine schon Geschriebene rauszusuchen, die passt.

Gute Nachbarschaft

Das dunkle Cover verrät schon, um was es geht.

GUTE NACHBARSCHAFT

13 gruselige Geschichten.

Einige gab es schon lange, einige hab ich extra für dieses Buch geschrieben, damit die 13 voll wurde.

Die älteste ist ‚Großer Bruder‘. Sie entstand, als ich fünfzehn oder sechzehn war. (Inzwischen hatte ich sie natürlich noch mal ein bisschen nachpoliert.)

Kaum sehr viel jünger sind ‚Tante Lene‘ und ‚Kleiner Begleiter aus dem Wald.‘

‚Am Mühlensee‘, die Geschichte vom Wassermann, habe ich vollkommen umgeschrieben.

Die Grundidee stammte aus dem Ende der 70er-Jahre.

Ursprünglich drehte es sich um eine alleinstehende Mutter mit einer erwachsenen und einer halbwüchsigen Tochter, die Besuch von einem entfernten Verwandten bekommen, einem hübschen jungen Mann, der mit allen dreien flirtet. Er bringt damit die Mutter und die ältere Tochter sehr durcheinander, was die Jüngste missbilligt. Als der Vetter unvorsichtigerweise am See so tut, als sei er der unheimliche Wassermann, schlägt die Kleine ihm mit einem Hammer den Schädel ein – und er versinkt.

Hm, eigentlich ist das eine sehr schöne Geschichte, die mit ‚Am Mühlensee‘ nichts mehr zu tun hat. Ich sollte den Stoff noch mal benutzen, oder?

Ich bin Du und Du bist tot

ICH BIN DU UND DU BIST TOT

Zwei Frauen geraten nach einem Unfall ins Koma, die eine stirbt, die andere kommt im falschen Körper zu sich und muss sich in einem ihr unbekannten Leben zurecht finden.

Sicherlich der schönste Titel, oder? Der fiel meiner Lektorin Tanja Frei ein.

Vor Jahren las ich in einem Readers Digest von zwei Personen, die in New York in einen Unfall verwickelt waren und hinterher jeweils im Körper des anderen steckten. Das fand ich so faszinierend, dass ich mir vornahm, irgendwann irgendwas daraus zu machen.

Dieser Roman ist gleichzeitig Krimi und Mystery und Liebesgeschichte – und niemand hat mir das vorgeworfen!

Sonst möchten die Leser und die Verlage das nämlich immer ganz gern sauber trennen, um zu wissen, in welche Schublade sie denn nun greifen.

Übrigens wohnt die Heldin ganz in der Nähe von Kerstin aus der Lavendelfrau. Die eine in Uetersen, das ich Pottschrapels genannt habe, die andere ein paar Schritte weiter in Lander mit Blick in die Marsch – und das heißt im Buch Pandersen.

Meere

MEERE

Meine Geschichte in der Anthologie heißt ‚Seefahrt tut weh.‘

Sie ist alt, wenn auch überarbeitet.
In meiner zarten Jugend machte ich mal einen fünf Tage dauernden Segelturn auf einer alten Weserjolle mit. Ich konnte damals nicht mal schwimmen.
Es war Oktober, nass und stürmisch.
Die Crew bestand aus meinem Freund, der zwar einen Segelschein, aber wenig Erfahrung besaß, mir (ohne jede Ahnung von der christlichen oder irgendeiner anderen Art von Seefahrt) und zwei Landratten aus Schwaben.
Sie flirtete fortgesetzt mit meinem Freund, der dafür nicht unempfänglich war (zumindest, bis sie sich mitten im Schiff auf seinen Lieblingspullover übergeben musste) und er schleppte einen Riesenpacken Bücher mit sich, die er endlich mal in Ruhe lesen wollte.
Wenn mein Freund also irgendwo auf dem Kahn mit überschnappender Stimme nach dem zweiten Mann schrie – er möge sofort dies und das fest halten oder anbinden oder reffen oder so – dann pflegte der gemütvoll zu erwidern: „Ha, glei – will nur halt schnell des Kapitle zuend lese, gell?“
Es war ein totaler Albtraum.
Selten haben fünf Tage länger gedauert.
Nachdem ich einigermaßen lebend wieder von Bord gekrabbelt war, schrieb ich also die Urfassung dieser Geschichte von einer Frau, die sich nicht das Geringste aus der Segelei macht und nur aus Liebe, gemischt mit einigen Zukunftsplänen, an Bord hockt …

Nachtschicht für Engel

Das Cover meines Weihnachtsgeschichten-Bandes »Nachtschicht für Engel«

NACHTSCHICHT FÜR ENGEL

Nachstehende Rezension erschien im Internet-Portal Kultur-Port:

Man muss dem Langen-Müller-Verlag bescheinigen, dass die Ausstattung dieses Buches einfach gelungen ist. Klein und schmal passt es in eine Wintermanteltasche: sehr zweckmäßig, da es sich bestens als Mitbringsel der Adventszeit ‚statt Blumen‘ empfiehlt.

Gehalten ist der Titel in den durchaus zum Thema passenden Farben Schneeweiß (der Hintergrund) Weihnachtsmannrot und Himmelblau.
Da fährt er, Santa, bequem zurückgelehnt auf seiner Harley, nix mit Rentieren und Schlitten. Das ist zwar die Illustration zu einer der Erzählungen, nämlich der titelgebenden, ‚Nachtschicht für Engel‘, doch es umreißt auch, wie Dagmar Seifert in diesem Buch Zimt- und Pfefferkuchenduft mit Kettenfettgeruch mischt. Im Übrigen handelt es sich in der speziellen Geschichte tatsächlich bei dem Motorradfahrer keineswegs um einen Weihnachtsmann, sondern um einen Altrocker. Aber das tut nichts, die Stilisierung des Graphikers passt sehr gut.

Acht Geschichten beinhaltet das Bändchen. Christliche? Bedingt.

Jesus taucht auf, wenn auch nur als Krippenfigur, aber bereits dieses Stückchen Holz bewirkt Gutes für eine Familie mit gescheiten und selbstbewussten Kindern, etwas hilfloseren Eltern, dem arroganten Liebhaber der Mutter und einer patenten Omi:
„Fröhliche Weihnachten, Pappi!“ Pavel guckte stolz zu, wie sein Vater eins der Päckchen aus der Tüte angelte und auspackte. „Das ist von mir. Das hab ich für dich bestellt, aus einem Sex-Versandhaus!“ Pappi traute sich nicht, es weiter auszuwickeln. „Du hast das aus einem… -?“ Sein Sohn nickte begeistert. „Es ist ein Männer-Parfum. Macht un-wi-der-stehlich! Wie Magie!“

In einer Autobahnkapelle wird, am Heiligen Abend, gebetet und in ein Fürbittenbuch geschrieben. Das klingt weihnachtlich.
Allerdings beten und bitten da eine hochschwangeren Punkerin und ein irrer Mörder, der bereits plant, die junge Frau umzulegen.
Das klingt eher gruselig und könnte fürchterlich enden – wenn die Engel nicht, gottseidank, zuverlässig Nachtschicht schieben würden. Und besagten Altrocker auf seiner Harley in die Schlacht schicken:
Bertie wollte nach Bookstedt fahren, um einem anderen ehemaligen Rocker, der schwer krank war, die Feiertage mit seiner Gegenwart und seinen beträchtlichen Kochkünsten zu verschönen. Im Rucksack trug er eine kleine Gans und verschiedene Zutaten, im Herzen Weihnachtsstimmung. Während er mit flatterndem Bart über die Landstraße düste, brummelte er das Lied von Rudolf, dem rotnasigen Rentier vor sich hin.

Interessanterweise – da die Autorin bekanntlich ausgesprochen weiblich ist – wird trotzdem keins ihrer Stückchen aus weiblicher Sicht geschildert.
Vielleicht abgesehen von ‚Peter, der Weihnachtskater‘, als einziges in der Ich-Form erzählt. Da handelt es sich um ein kleines Mädchen und überhaupt klingt alles recht autobiographisch. Ein hässlicher, narbenbedeckter alter Kater wird von dem (Einzel-)Kind, das sich nach einem Haustier sehnt und keine Freunde besitzt, fast mit Gewalt mit nach Hause geschleppt. Peter, der Weihnachtskater, will weder schmusen noch spielen, frisst nur den Kühlschrank leer, taucht auf oder verschwindet nach Belieben wieder und verwüstet die festlich geschmückte Wohnung zur Verzweiflung der Eltern. Dieses Tier schnurrt nicht, es faucht, und natürlich kratzt es. So etwas ist erst in der Erinnerung lustig:
‚Der Nachbar hatte Peter mit kaltem Wasser übergossen. „Dieser Rohling – bei dem Frost!“, hat meine Mutter gesagt. Mein Vater hat versucht, Peter mit einem Handtuch abzurubbeln. Die Narben auf seinen Händen konnte er zwanzig Jahre später noch zeigen, wenn er die Geschichte erzählte. Er wurde sehr böse und ging ins Bett. Meine Mutter und ich haben Peter dann vorne gefüttert und hinten vorsichtig abgetrocknet…‘

Eine sehr besinnliche Geschichte beschreibt zwei alte Menschen, die in der winterlichen Dämmerung in einem Altersheim Geschenke tauschen und sich gemeinsam ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn sie sich nicht vor vielen Jahrzehnten getrennt, sondern ihr Leben miteinander verbracht hätten:
„Also, wir sind uns natürlich wieder begegnet, nicht wahr? Als du dein Studium abgeschlossen hattest. In diesem – in diesem Restaurant.“ „Ach, das war ein Restaurant?“ „Aber ja. Ein Griechisches. Irgendwas mit Oliven. Oder nein, warte – ich glaube, das war überhaupt im Urlaub, auf Griechenland. Ja, natürlich. Es war heiß und ich trug das weiße Kleid mit den Rüschen auf den Schultern, erinnerst du dich?“

Ein alleinstehender Lehrer mit dem Spitznamen ‚Sammler‘ findet zum Fest eine Art Familie aus unterschiedlichen Einzelstücken, durchaus unfreiwillig, aber sehr willkommen und beglückend, nachdem er anfangs recht einsam war:
„Hier ist Hoa!“ – und Frau Nguyen zeigte auf einen sehr kleinen Gegenstand im Treppenhaus, da, wo es dunkler war. Folker kniff die Augen zusammen und erkannte ein Kind mit schwarzer Pagenfrisur in einer gelben Daunenjacke. Es hielt sich mit beiden Händen die Augen zu, vielleicht in der Hoffnung, so nicht gesehen zu werden. „Hoa?“, wiederholte er verständnislos. Daraufhin drehte das Kind sich um und zeigte ihm den Rücken. „Hoa ist Tochter. Sie verbleibt hier, bitte. Ich muss weg…“ erklärte Frau Nguyen. Dabei verzerrte sie ihr sonst so harmonisch-unbewegliches goldbraunes Gesicht und hielt sich mit beiden Händen den Bauch fest. „Universitätshaus Eppendorf. Aua. Blinder Darm!“, fügte sie hinzu.

Ein junger Mann plant ein recht hässliches Verbrechen, um seiner Freundin mehr Luxus zu bieten; er will einen kleinen Jungen entführen, das Kind reicher Eltern, die gerade auf die Festtage hin emotional leicht weichgekocht werden müssten. Wahrscheinlich liegt es auch hier wieder an den allgegenwärtigen Weihnachtsengeln, dass alles gut ausgeht. Jedenfalls bemüht der Kidnapper sich, das Kind bei Laune zu halten:
Sie nahmen ein Taxi zum Gerhard-Hauptmann-Platz und das Entführungsopfer futterte sich durch Currywurst, Liebesäpfel, Kokosnuss, Zuckerwatte, heiße Maronen – „Hier, nimm mal, die mag ich nicht, iss du die mal auf…“ – Fischbrötchen und noch mehr Zuckerwatte. Dann war ihm übel.

Verschiedene Menschen gehen am 24. Dezember in ein Hamburger Theater, um eine Komödie zu genießen – beziehungsweise einer von ihnen, um eine Höllenmaschine hochgehen zu lassen:
Jochen hatte seine Bomben selbst gebaut. Technik war nicht unbedingt seine Stärke, weder Chemie noch Physik gehörten je zu seinen Lieblingsfächern. Aber die Anleitungen zu den Zerstörungsmaschinen gab es im Internet und es klang so einfach wie ein Kochrezept. An die verschiedenen Zutaten gelangte man ganz leicht, sie kosteten nicht einmal besonders viel.
Wer sorgt hier einmal mehr dafür, dass nichts Schlimmes passiert? Zwar werden sie nicht extra erwähnt, aber es müssen doch die unermüdlichen Engel sein. So steht der Titel des Buches für nahezu alle Geschichten.

Nur in der letzten Erzählung halten die geflügelten Himmelsboten sich zurück, da verhindern sie ganz und gar nicht, dass ein fröhlicher, dicker Weihnachtsmann – ein anderer dieses Jahr – so kriminell wie möglich agiert und eine Familie nach Strich und Faden ausräubert. Sie werden ihre Gründe haben, die Engel:
Nun wurden die Kinder ins Zimmer geschoben. Die beiden Älteren litten an bedenklichem Übergewicht, dem Jungen wuchsen bald die Augen zu. Das kleinste Kind kam nach seiner Mutter, mager und dürftig, mit fusselig-dünnem Haar. Die Erwachsenen nahmen auf Sesseln und Sofa Platz und beobachteten den fülligen Mann mit dem weißen Bart. „Guten Abend, liebe Kinder. Wer ich bin, wisst ihr doch wohl?“ „Irgend ’n Rentner von der Weihnachtsmann-Agentur“, rief Guido und blinzelte schlau. Der Weihnachtsmann lächelte. „Was für ein Irrtum, mein Junge.“

Schauplatz aller Erzählungen ist entweder Hamburg oder die Umgebung dieser Stadt, der Michel spielt sogar zweimal eine Rolle.

Rezension: Delf Schulz

Das Peanuts-Kochbuch

Das Peanuts-Kochbuch war mein erstes Kochbuch überhaupt, aber es sollte nicht mein letztes bleiben. Hier das Cover dazu

DAS PEANUTS-KOCHBUCH

Niemand kann über alles lachen.

Mit den Comics über den Kater Garfield kann ich beispielsweise nicht viel anfangen.Mit den rundköpfigen Kindern, den „Peanuts“ und dem Hund Snoopy sehr viel. Mein Sohn heißt mit zweitem Namen Linus, nach dem philosophisch veranlagten Kerlchen mit der Schmusedecke.

Der Koch- und Sachbuchverlag Mary Hahn gehörte im Jahr 2000 noch zur Familie meines Hausverlags Langen Müller. Als Charles M. Schulz, der Vater der „Peanuts“ , im Februar gestorben war, tauchte der Plan auf, ein Kochbuch mit seinen Comics zu machen.

Man fragte mich, ob ich das machen wollte: Amerikanische Küche, natürlich mit vielen Erdnüssen.

Mein erstes Kochbuch. Da ich leidenschaftlich gern koche, hatte ich große Lust dazu.

New York hatte ich mehrmals besucht und ich besaß auch Freunde und Bekannte, verteilt in den Vereinigten Staaten, die ich um Mithilfe bat. Außerdem bemühte ich mich, zu jedem Rezept den passenden Comic-Strip zu finden.

Das Buch verkaufte sich sehr gut; 2007 gab der Kosmos-Verlag, der Mary Hahn übernommen hatte, eine Neuauflage heraus, diesmal nicht in Gelb, sondern in Feuerrot.

… denk ich an Hamburg

Diese Anthologie enthält eine gekürztes Kapitel aus meinem Buch »Feuervogel«

… DENK ICH AN HAMBURG

HAV – das ist die Hamburger Autorenvereinigung.

Meine Geschichte in diesem Band heißt ‚Sturmflut‘ und ist eigentlich das zusammengestrichene erste Kapitel des Romans ‚Feuervogel‘.

So was macht mir Spaß; es ist ein Spielen mit Worten. Deshalb kann ich prima meine eigenen Texte zusammenkochen oder auseinanderziehen. Selbst zu kürzen macht mir sehr wenig aus.

Es bereitet mir allerdings ziemliche Schmerzen, wenn ein Anderer in meinen Texten herumstreicht, womöglich auch noch, ohne vorher mit mir darüber gesprochen zu haben!

 

Wie viele Männer braucht die Frau?

»Wie viele Männer braucht die Frau?« war meine erste Buchveröffentlichung

WIE VIELE MÄNNER BRAUCHT DIE FRAU?

Als ich noch ab und zu für die Zeitschrift JOURNAL FÜR DIE FRAU journalistisch tätig war, fragte mich die Redaktion eines Tages, ob ich ein Taschenbuch schreiben würde mit dem vorgegebenen Titel: „Wie viele Männer braucht die Frau?“

Das war kurz, nachdem mein Theaterstück mit dem Titel: „Ein Mann ist kein Mann“ aufgeführt worden war, zu betonen auf den Worten ein und kein.

Ich bekam Bedenken, meine Unersättlichkeit in diesem Ausmaß an die große Glocke zu hängen.

Also bat ich darum, unter einem anderen Namen veröffentlichen zu dürfen und schrieb das Sachbuch unter ‚Fee Domke‘. Das war einer der vielen Namen, unter denen ich Kurzkrimis und Liebesgeschichten für Zeitschriften verfasst hatte.

Also ist „Wie viele Männer braucht die Frau?“ meine erste Buchveröffentlichung.

Der Anhang ist immens; ich habe vorsichtshalber jedes halbe Komma aufgelistet, das ich irgendwo entnommen hatte …
Ich bin eigentlich nach wie vor stolz darauf, denn abgesehen davon, dass die Tatsachen ein Spürchen veraltet sind, ist es ein ganz gescheites und bestimmt sehr amüsantes Buch über Partnerschaft zwischen Mann und Frau.
Inzwischen kann man es erfreulich preiswert bekommen: im Internet wird es für einen Cent angeboten… ☺

Friedensnacht

Nicht nur das Cover habe ich selbst illustriert, auch der Innenteil enthält zahlreiche Bilder aus meiner Feder

FRIEDENSNACHT

Der erste Weltkrieg hat mich schon immer fasziniert. 2011 und 2012 recherchierte ich wie verrückt für einen Roman, der im Jahr 1914 anfangen sollte.

Die Heldin, Helene oder Lene, ist ein Spürchen älter als das Jahrhundert, bei Kriegsbeginn sechzehn Jahre. Während ihr Vater an der Front ist, erfährt Lene, dass ihre Stiefmutter Gerda mit einem jungen Offizier durchbrennen will. Um das zu verhindern, trifft sie sich selbst am Weihnachtsabend mit dem Mann und erreicht, dass er sich stattdessen mit ihr verlobt.

Als sie herausfindet, dass dieser Abend nicht ohne Folgen blieb, ist ihr Verlobter schon gefallen. Obwohl sie sich mit Gerda eigentlich überhaupt nicht versteht, kommen die beiden in diesem Fall zu einer Übereinkunft: Die Stiefmutter gibt Lenes Sohn als ihr eigenes Kind aus.

Gegen Ende des ersten Weltkriegs trifft Lene sich in Frankreich (wie sie glaubt, aus romantischen Gründen) mit einem jungen Soldaten, der sie mit einem Schlafmittel betäubt, um in ihren Kleidern und sogar mit ihren abgeschnittenen langen Locken unter dem Hut zu desertieren. Sie erwacht unbekleidet, mit ganz kurzem Haar und zieht, um sich irgendwie zu bedecken, die herumliegende Uniform samt Helm an. Worauf sie als ‚versprengter Soldat‘ eingesammelt und direkt an die Front gebracht wird, wo sie um Haaresbreite dem Tod entkommt.

Mein Konzept erstreckte sich bis zum Jahr 1939, also bis kurz vor den Beginn des Zweiten Weltkriegs, aber eigentlich noch viel weiter. Ich habe immer noch massenhaft Stoff zu dieser Offizierstochter aus Blankenese.

Doch dann stellte sich heraus: kein Verlag wollte diesen Roman haben! Ein besonders gescheiter Lektor ließ mir mitteilen, ich sollte historische Sachen bleiben lassen, ich möge stattdessen einen heiteren, zeitnahen Frauenroman schreiben, so was könne ich.

Als ich ihn fragte, ob er die ersten Kapitel und das Konzept überhaupt gelesen hätte, gab er ganz offen zu, dazu ‚sei er nicht gekommen‘ …

Erfreulicherweise begegnete ich in dieser Zeit Günther Döscher, der in Hamburg seinen kleinen, aber feinen Kadera-Verlag gegründet hatte. Ich schlug ihm vor, die ersten anderthalb Kapitel meines ‚Weltkriegs-Romans‘ als altmodische Novelle herauszugeben, mit von mir selbst gemalten Bildern. Und das hat er wunderhübsch gemacht. So ist wenigstens ein bisschen gerettet worden.

Aber ich bin häufiger Lesern begegnet, die von der ‚Friedensnacht‘ begeistert waren und mir erzählen, sie fänden es schade, dass die Geschichte damit schon zu Ende sei. Und dann hab ich mich jedes Mal wieder etwas geärgert über die Dummheit der Verlage.

 

Das Mittwochszimmer

DAS MITTWOCHSZIMMER

„Wo haben Sie bloß immer die Ideen her?“, dürfte die am häufigsten gestellte Frage nach Lesungen sein.

Aber ich jage ja nicht nach Ideen – sie sind überall, viel mehr, als man jemals verwenden könnte.

Den Kern zu diesem Roman schenkte mir eine Bekannte beim Nachmittagskaffee.

Sie kannte eine Frau, die über mehr als vierzig Jahre einen Geliebten hatte samt gemeinsamem Kind. Er war, aus verschiedenen komplizierten (wirtschaftlichen) Gründen, in dieser Zeit zweimal anderweitig verheiratet und hatte eigene Kinder. Trotzdem trafen die beiden sich an einem bestimmten Tag jede Woche und verreisten manchmal sogar miteinander.

Und sie hoffte über diese gesamte Zeit fortgesetzt, er würde sie eines Tages doch mal heiraten. Inzwischen machte sie Karriere in ihrem Job, zog das Kind alleine groß und entwickelte sich weiter, ohne es zu merken. Und so wird sie weiter hoffen, bis einer von beiden stirbt oder die Welt untergeht …

Ich machte daraus meine Heldin Conny und dachte darüber nach, wie sie wohl reagieren würde, erfolgreich und weiterentwickelt, wenn der inzwischen leicht gebeugte und etwas angegraute Held ihrer Träume denn nun wirklich noch mal die Absicht hätte, sie zu heiraten?

Spuk in Hamburg

SPUK IN HAMBURG

Das habe ich ungefähr 2010 geschrieben, nachdem ich unter der Kersten-Miles-Brücke durchging und den alten Herrn eigentlich recht attraktiv fand …

Schmeichelhafterweise wurde die gesamte Anthologie dann nach meiner Geschichte genannt, weil der Titel eben gut zum Thema passte.

Bürgermeister Kersten Miles

Der Winter der Libelle

Der Roman Der Winter der Libelle spielt hauptsächlich im Hamburger Obdachlosen-Milieu

DER WINTER DER LIBELLE

Eine Hamburger Arztgattin, die ein müßiges, etwas langweiliges Leben führt, gerät plötzlich, hochschwanger und in einem besonders kalten Winter, ins Obdachlosenmilieu.

Eine Bekannte erzählte mir, dass eine ‚Dame der Gesellschaft‘ in Köln durch verschiedene Umstände zu den Pennern abgerutscht war und einige Monate lang ‚Platte machte‘, also auf der Straße schlief.

Da sie im Prinzip gebildet und außerdem gutaussehend war (zwei nicht zu unterschätzende Faktoren) gelang es ihr, sich da wieder herauszuarbeiten.

Ich dachte mir die erschwerenden Umstände eines harten Winters und einer Schwangerschaft dazu, erfand meine verwöhnte Lilly und ließ sie statt in Köln in Hamburg umherirren.

Die Recherche erforderte besonders viel Zeit und brachte mich teilweise in engen Kontakt mit der Szene der Stadtstreicher. Dabei beeindruckte mich besonders, wie kameradschaftlich viele von ihnen zusammenhielten.

Einen Nachmittag lang verkaufte ich auf der Straße Hinz & Kunzt, das Hamburger Obdachlosenmagazin und ich saß an einem anderen Nachmittag bettelnd auf der Mönckebergstraße.

Der Winter der Libelle ist bis jetzt das Buch, mit dem ich selbst am meisten zufrieden bin.

Feuervogel

Das Buchcover ziert eine flammendroter Feuervogel

FEUERVOGEL

Die Außenseiterin Merle wird vom verprügelten Kind zur selbstbewussten Restaurantbesitzerin.

Ein chaotischer Roman und eine Liebeserklärung an das Vorbild für Butz Voss: meinen Vater. Dem ist das Buch auch gewidmet – leider wurde das im Hardcover versehentlich vergessen und tauchte nur in der Taschenbuchausgabe auf.

Und in der Taschenbuchausgabe sind auch die schrecklich falschen italienischen Redewendungen berichtigt, von denen keiner weiß, wie sie entstehen konnten …

Die Geschichte ist sehr autobiographisch und ich schrieb mich so in Rage, dass alles urplötzlich auf mehr als 700 Seiten angeschwollen war. Etwa 350 sollten es aber werden … Also kürzte ich an einem verzweifelten Wochenende viele Handlungsstränge und entfernte ganze Personen aus der Geschichte. Das hat ihr nicht unbedingt gut getan und es blieben immer noch fast 500 Seiten übrig. Ich finde sie stilistisch recht unharmonisch.

Trotzdem haben mir viele Leserinnen erklärt, gerade der Feuervogel sei ihr Lieblingsbuch! Viele mögen natürlich das Opilein. Und ausgerechnet das ist eine komplette Erfindung. Opilein nimmt gewissermaßen den Platz meiner Mutter ein. Die hätte es nämlich nicht ausgehalten, nochmal lesen zu müssen, was sie in ihrer Ehe so durchgemacht hat.

Butz war als Vater ein Traum, aber als Partner eher eine Zumutung …

Die Lavendelfrau

Buchcover Die Lavendelfrau von Dagmar Seifert

DIE LAVENDELFRAU

Eine Frau bildet sich ein, für alles und jeden verantwortlich zu sein und wird daraufhin von allen ausgenutzt. Schließlich flüchtet sie nach Kanada und lernt dort eine Portion ‚Gut-sein-lassen‘.

Mit Kerstin, die überall Ordnung und Pläne machen und Listen schreiben muss, hab ich viel gemeinsam. Kerstin ist in der Jungfrau geboren (ich erstelle meinen Romanfiguren oft Horoskope), daraus ergibt sich ihre Vorliebe für Struktur.

Ich selbst habe einen Jungfrau-Aszendenten (für Leute, die es interessiert.)

Von 1979 bis 1986 verbrachte ich jeden Sommer mehrere Monate in Kanada am Lake Huron. Und – jetzt kann ich es ja zugeben – ich hatte tatsächlich Unterricht im ‚Western Style-Reiten‘ bei einem sehr interessanten Halbindianer mit grünen Augen. Soviel ich weiß, ist er inzwischen Kameramann beim Fernsehen in Toronto.

Ich liebe Kanada und habe manchmal noch Heimweh nach dem See und den herzlichen, humorvollen Kanadiern.

Ein silbergrüner Wasserfall

EIN SILBERGRÜNER WASSERFALL

Bis jetzt und vielleicht ein für alle Mal mein lustigstes Buch.

Und es trieb sich zwei Wochen lang auf der Bestsellerliste der Zeitschrift BILD DER FRAU herum. Womit es mich ganz unverhofft zu einer Bestsellerautorin machte …

Ein dickes, mürrisches, ziemlich einsames Mädchen ändert nahezu alles an sich, sogar den Namen, um den Mann ihrer Träume zu erhaschen. Sie wird schlank und erfolgreich und schafft sich eine Menge interessanter und liebenswerter Freunde an.

Dörthe oder Dodo ist die Heldin, mit der ich am wenigsten gemeinsam habe.

Weder kann ich singen noch trage ich Kontaktlinsen. Und mit meiner Linie musste ich auch nicht besonders kämpfen, was ein Segen ist, weil ich schrecklich gern esse.